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06.02.2009
Bau der OPAL: Renaturierung des „Martenschen Bruchs“ in Mecklenburg-Vorpommern geplant

Wiederherstellung von über 260 Hektar Naturflächen an der deutsch-polnischen Grenze / Maßnahmen sollen Torfverfall stoppen

Kassel / Osnabrück. Zusammen mit Umweltbehörden plant das Betreiber­konsortium der Erdgasleitung OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungs­­leitung) die Renaturierung des Niedermoors „Martensches Bruch“ im Osten von Mecklenburg-Vorpommern. Die Moorfläche an der deutsch-polnischen Grenze soll als Ausgleich für den Bau der Erdgas­pipeline renaturiert werden. Der Trassenkorridor der Pipeline selbst berührt das rund 260 Hektar große Schutzgebiet nicht, sondern führt rund 25 Kilometer westlich daran vorbei. „Die Renaturierung des ‚Martenschen Bruchs’ an der deutsch-polnischen Grenze ist gemeinsam mit den Natur­schutzbehörden aus­gearbeitet und genehmigt worden“, erklärt Ingo Neubert, Geschäfts­führer der OPAL NEL TRANSPORT GmbH. „Obwohl die Fläche weit größer ist, als die Kompensationsmaßnahmen für den Bau der Erdgas­fernleitung OPAL gesetzlich vorsehen, ergreifen wir hier die Chance, mit Hilfe von Ausgleichsmaßnahmen ein besonderes Nieder­moor großflächig zu vernässen und damit für die Nachwelt zu erhalten.“ Die Gesellschaft ist als einer der Betreiber der beiden geplanten Erdgas­leitungen OPAL und NEL (Norddeutsche Erdgas-Leitung) vor­gesehen, mit denen die durch die Ostsee führende Nord Stream-Pipeline mit dem europäischen Erdgas­netz verbunden werden soll. Das Planfest­stellung­sverfahren für die OPAL in Mecklenburg-Vorpommern soll in den nächsten Wochen ab­geschlossen werden. 

Der „Martensche Bruch“ an der deutsch-polnischen Grenze gehört zum Naturschutzgebiet „Gottesheide und Lenzener See“ und ist bereits FFH- und EU-Vogelschutzgebiet. Zur langfristigen Sicherung des dortigen Wasserhaushaltes, eine wesentliche Grundlage für die Erhaltung des Niedermoors, wurde die geplante Maßnahme von Naturschutzbehörden initiiert. „Die jahrzehntelange Ent­wässerung und Kultivierung der Nieder­moore Nordost- und Nordwest­deutschlands, wie hier im Martenschen Bruch, haben dazu geführt, dass nur noch wenige dieser Lebensräume in naturnahem Zustand sind“, erklärt Dr. Uwe Fuelhaas von der DBU Naturerbe GmbH, einer Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück. Die Gesellschaft hatte daher die Renaturierung gemeinsam mit dem Bundesforst, dem große Flächen des „Martenschen Bruchs“ noch unterstehen, vorangetrieben. Die DBU Naturerbe GmbH wird das Naturschutz­gebiet in den nächsten Jahren über­nehmen. „Neben dem Verlust einzig­artiger Lebens­gemeinschaften haben viele unserer Niedermoore ihre wichtige Funktion als Stoffsenke und Wasserspeicher verloren“, so der Naturschutz­experte weiter. „Durch den Verfall des Torfes setzen entwässerte Moore große Mengen klima­schädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre frei. Mit der Wieder­vernässung des „Martenschen Bruchs“ können wir dem entgegen wirken.“ Eines der drei Leitbilder der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ist neben der Entwicklung von Waldwildnis und der Erhaltung von Offenland die Wiederherstellung von Feuchtgebieten.

Naturschutzmaßnahme läuft über mehrere Jahre

Für die Renaturierung des „Martenschen Bruchs“ sind zahlreiche Maß­nahmen geplant. „Wir werden durch den Einbau von sieben regelbaren Staubau­werken den Wasserstand sukzessiv erhöhen“, skizziert Holger Illian, zuständiger Trassenplaner für den Bereich Mecklenburg-Vorpommern, den Prozess der Wiedervernässung. „In einigen Bereichen wird der Grund­wasser­spiegel so bis unter die Grasnabe steigen. Eine Seenbildung, wie manche befürchten, wird es jedoch nicht geben.“ Daneben sind ein Umbau des Waldbestands, eine Teilverfüllung von Gräben und der Rückbau von Wegen und alten Wehren vorgesehen. Den Planungen für die Wiedervernässung sind umfangreiche hydrologische Unter­suchungen vorausgegangen.

„Um überhaupt ein Bild vom Zustand des Niedermoores zu bekommen, wurden neben oberirdischen Detail­vermessungen und Befliegungen unter anderem geologische Bohrungen vorgenom­men“, erläutert Illian. „Die so erhobenen Daten sind letztendlich in ein geohydrau­lisches Modell ein­geflossen, mit dem wir die Auswirkungen der Wieder­vernässung des „Martenschen Bruchs“ durch die einzelnen Maß­nahmen genau vorher­sagen können.“ Bis das Naturschutzgebiet wieder in einem naturnahen Zustand sei, würden jedoch Jahre vergehen. „In der Anfangsphase und auch darüber hinaus wird die gesamte Maßnahme kontrolliert und überwacht“, erklärt der Planungsingenieur. „Zudem ist eine Fein­justierung der Wasserspiegelhöhen jederzeit möglich. Im gesamten Bereich des „Martenschen Bruchs“ werden Messstellen im Boden installiert, die den Stand des Grundwasser­s zu jedem Moment genau wiedergeben.“

Zur sicheren Versorgung mit Energie ist Europa immer stärker auf Erdgasimporte angewiesen. Einen wesentlichen Beitrag zum Transport des Erdgases nach Europa soll künftig die durch die Ostsee führende Erdgasleitung Nord Stream leisten. Von deren Anlandepunkt in Lubmin bei Greifswald aus werden die beiden neuen Anschlussleitungen geplant: Während die OPAL Erdgas über rund 470 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen auf die deutsch-tschechische Grenze trans­portieren soll, ist vorgesehen, die rund 440 Kilometer lange Norddeutsche Erdgas-Leitung (NEL) bis nach Rehden in Niedersachsen zu führen.      

Die OPAL NEL TRANSPORT GmbH übernimmt für die OPAL und NEL die Aufgaben des Netzbetreibers. Sie ist Teil der WINGAS-Gruppe, zu der neben dem Erdgasversorger WINGAS auch die WINGAS TRANSPORT gehört, die ein überregionales über 2.000 Kilometer langes Gasfern­leitungsnetz betreibt. Es ist vorgesehen, dass die beiden neuen Pipelines der OPAL NEL TRANSPORT mit dem Gasfernleitungsnetz der WINGAS TRANSPORT verbunden werden.



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