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15.07.2009
Jungsteinzeit-Müll: Grabungen an OPAL-Trasse
Landesdirektion Chemnitz erteilt Planfeststellung / Genehmigungen für Nord-Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern werden erwartet
Wünsdorf (dpa/bb) - Rund 6000 Jahre alte Tonscherben und Tierknochen - bei Grünow (Uckermark) haben Archäologen eine Müllkippe aus der Jungsteinzeit entdeckt. Der Fund sei bislang einer der außergewöhnlichsten entlang dem Brandenburger Abschnitt der geplanten Erdgastrasse von der Ostsee nach Sachsen (OPAL), sagte die zuständige Referatsleiterin beim Landesamt für Denkmalpflege, Sabine Eickhoff, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Er liefert uns wertvolle Erkenntnisse über das damalige Alltagsleben.» Es handele sich um das bislang größte entdeckte Ensemble dieser Art in Brandenburg.
Von 2010 an soll über die OPAL-Leitung russisches Erdgas, das aus der sogenannten Ostsee-Pipeline nach Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) transportiert wird, nach Olbernhau (Sachsen) an der Grenze zu Tschechien gelangen. 245 Kilometer der 480 Kilometer langen Trasse führen über brandenburgisches Gebiet. An diesem Abschnitt gibt es Eickhoff zufolge 216 archäologische Fundplätze, auf die die Archäologen 2007 bei Sondierungen gestoßen sind. «73 haben wir untersucht.» Die Referatsleiterin rechnet mit einem Abschluss der Grabungen zum Jahresende. Später sollen Fundstücke im Archäologischen Landesmuseum ausgestellt werden.
Die prähistorische Müllkippe von Grünow befand sich den Angaben zufolge in einer Senke und war mit Spuren aus der viel späteren Slawenzeit überlagert, so dass sie nicht der Erosion zum Opfer fiel.
«Da ist auch nie der Pflug drübergegangen», erläuterte Eickhoff. Zudem hätten weder Maulwürfe noch Mäuse dort gegraben und so den Funden etwas anhaben können. Dort gefundene Knochen, die von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen alter Rassen sowie Wildtieren stammen, werden von Zoologen genauer untersucht. Davon erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse über Ernährungsgewohnheiten. So lasse sich von Schnittspuren ableiten, wie die Menschen ihr Essen zubereiteten.
Nahe Rathsdorf (Barnim) wurden die Archäologen von einer ebenfalls in der Jungsteinzeit angelegten Kreisgrabenanlage überrascht. «Von dem Fundplatz wussten wir bis dahin nur, dass sich dort eine eisenzeitliche Siedlung aus der Zeit 800 vor Christus befand», berichtete Eickhoff. Die nun gefundene Kreisgrabenanlage mit vier Zugängen über einen Graben und einen Wall lasse sich auf die Jahre 4200 bis 4500 vor unserer Zeitrechnung datieren.
Der Trassenbau bietet laut Eickhoff den Archäologen die besondere Chance, «einen Längsschnitt durch das ganze Land» vorzunehmen. Einige OPAL-Funde sollen in Diplomarbeiten wissenschaftlich ausgewertet werden, die an der Freien Universität Berlin entstehen. Zudem wollen sich angehende Grabungstechniker an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und Technik mit theoretischen Fragestellungen zu dem Thema befassen.
Gespräch: Annette Herold, dpa
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