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22.10.2009
Stahlrohr «E 107 019» für den Grund der Ostsee
Ohrenbetäubender Lärm dröhnt durch das Rohrummantelungswerk in Sassnitz auf Rügen. Funken sprühen aus einer Maschine, die mit stählernen Zangen einen maßgeschneiderten Drahtkäfig für Stahlrohr «E 107 019» formt.
Sassnitz (dpa) - Ohrenbetäubender Lärm dröhnt durch das Rohrummantelungswerk in Sassnitz auf Rügen. Funken sprühen aus einer Maschine, die mit stählernen Zangen einen maßgeschneiderten Drahtkäfig für Stahlrohr «E 107 019» formt. Wenige Augenblicke später verschlingt ein Tunnel das Rohr, wo eine Düse einen elf Zentimeter dicken Eisenerzbetonmantel auf die Außenhaut des stählernen Giganten schleudert. Wenn alles gut geht, liegt das Rohr Ende 2011 als Teil der Nord Stream-Pipeline auf dem Grund der Ostsee. Der Strichcode «E 107 019» verrät den künftigen Verlegesektor innerhalb der 1223 Kilometer langen Trasse - er ist eine Art «Personalausweis» für die gesamte Lebensdauer des Rohres.

«Pipeline-Bau ist eigentlich ganz einfach», stemmt Nord Stream-Manager Klaus Schmidt seine Stimme gegen den Krach. «Ein Rohr mit zwei Löchern vorn und hinten und möglichst keinem zwischendrin.» Der Rohrprofi kokettiert mit dem simplen Vergleich: Denn als «Manager Coating and Logistics» ist der Nordrhein-Westfale verantwortlich für das derzeit wohl größte Logistik-Projekt in Europa. Schmidt schiebt den Schutzhelm zurecht. «Rund 200 Rohre verlassen am Tag das Werk - Weltrekord», sagt er. Jedes hat einen Durchmesser von 1,20 Meter - ein sechsjähriges Kind könnte damit durch die Rohre laufen.
Verlegetiefe und Gasdruck, der zwischen 220 bar am Beginn der Leitung im russischen Wyborg und 120 bar am deutschen Anlandepunkt Lubmin liegt, bestimmen die Maße der Rohre, wie Schmidt erklärt. Dazu kommen Spezialrohre mit Aluminium-Anoden, die auf dem Meeresgrund für einen aktiven Korrosionsschutz sorgen. Der Barcode, der aussieht wie der Strichcode auf dem Milchpack, gibt Orientierung. «Die Fehlerquote liegt bei null Prozent», sagt Schmidt.
Im Sassnitzer Werk brummt das Geschäft und nicht nur dort: Rund drei Milliarden des auf 7,4 Milliarden Euro veranschlagten Projektes hat das Firmenkonsortium der Energieriesen Gazprom, BASF/Wintershall, E.ON Ruhrgas und der niederländischen Gasunie bereits in die Ostseepipeline investiert - in die Fertigung von 100 000 Stahlröhren, in zwei baugleiche Rohrummantelungswerke in Sassnitz und dem finnischen Kotka, in Hafeninfrastrukturen wie im schwedischen Slite auf Gotland und in die Bereitstellung von Transportschiffen. Selbst die Verlegeschiffe, die die Rohre für eine Million Euro pro Tag bis zu 200 Meter tief auf den Meeresgrund bringen werden, sind schon bestellt.
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