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19.11.2009
Bauern, Töpfer, Schmiede – 6000 Jahre Geschichte ans Licht geholt
Ausstellung „Schätze aus dem Leitungsgraben“ zeigt Ausgrabungsfunde entlang der OPAL-Trasse.
Anklam, 19. November 2009. Die Spuren unserer Vorfahren liegen häufig direkt unter unseren Füßen. Dies zeigt sich auch beim Bau der Erdgasleitung OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung), bei dem die Archäologen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern nun einen intensiven Blick unter die Erdoberfläche werfen können: Seit September 2007 untersuchen die Mitarbeiter die rund 100 Kilometer der geplanten Trasse in Mecklenburg-Vorpommern nach Bodendenkmalen. Erstmals werden Ergebnisse dieser Arbeit jetzt im Museum im Steintor in Anklam der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung „Schätze aus dem Leitungsgraben“ zeigt einige der geborgenen Funde und veranschaulicht den Besuchern darüber hinaus mit Informationstafeln und Fotografien das aktuelle Grabungsgeschehen, aber auch das Leben in früheren Zeiten. Die ältesten Funde gehen dabei auf den Beginn der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur (um 4000 v. Chr.) zurück, die jüngsten zeugen vom Alltag der Menschen im Mittelalter und in der Neuzeit.
Ein Höhepunkt der Ausstellung ist der bei Anklam gefundene Hacksilberschatz aus dem frühen 9. Jahrhundert – die gut erhaltenen, überwiegend in Nordafrika geprägten Münzen besitzen an den Rändern markante Einschnitte. „Oft sind es gerade die kleinen Details, die uns interessante Einblicke in das Leben unserer Vorfahren vermitteln“, erklärt Dr. Jens-Peter Schmidt, verantwortlicher Archäologe beim Schweriner Landesamt. „Diese Einschnitte beispielsweise, so genannte Probiermarken, entstanden bei Prüfung der Münzen auf ihre Echtheit. Offenbar waren zur damaligen Zeit so viele Fälschungen im Umlauf, dass die Stücke – zur eigenen Sicherheit - immer wieder geprüft werden mussten.“ An einer anderen Fundstelle, bei Zarnekow, waren es 700 Kilogramm Verhüttungsschlacke – ein Abfallprodukt der Eisengewinnung – und die Standorte von circa 100 Rennfeueröfen, die von Interesse waren. „Dadurch konnten wir zum ersten Mal in Vorpommern ein regelrechtes ‚Industrieareal‘ zur Eisengewinnung aus der älteren römischen Kaiserzeit – Christi Geburt bis 150 n. Chr. – nachweisen“, freut sich der Experte. „Derartige Anlagen kannte man bisher nur aus der jüngeren römischen Kaiserzeit, also 150 n. Chr. bis 375 n. Chr.“, fügt Schmidt hinzu.
Insgesamt 53 Trassenabschnitte haben die Archäologen des Schweriner Landesamtes im Vorfeld der Bauarbeiten ausgegraben. Seitdem nun der Bau begonnen hat, begleiten die Experten diesen in enger Abstimmung mit der Bauleitung. „Die archäologische Baubegleitung ist von Anfang an mit dabei, für den Fall, dass im Bereich der Trasse wertvolle Zeitzeugen bei den Voruntersuchungen unentdeckt geblieben sind“, sagt Hans-Georg Egelkamp, OPAL-Projektleiter bei der WINGAS. Dabei konnte erst vor wenigen Wochen ein über 2000 Jahre altes und besonders gut erhaltenes Urnengräberfeld in Steinfurth bei Karlsburg entdeckt und geborgen werden.
Mit einer Kapazität von 36 Milliarden Kubikmeter Erdgas ist die rund 470 Kilometer lange Erdgasleitung OPAL eines der größten deutschen Energie-Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre. Die Pipeline soll die durch die Ostsee führende Erdgasleitung Nord Stream mit dem europäischen Erdgasleitungssystem verbinden und führt von Lubmin bei Greifswald durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis in die Tschechische Republik. In Mecklenburg-Vorpommern durchquert die OPAL die Landkreise Ostvorpommern und Uecker-Randow auf gut 100 Kilometern. Die Pipeline wird von WINGAS im Auftrag der OPAL NEL TRANSPORT GmbH und der E.ON Ruhrgas AG gebaut; die archäologischen Untersuchungen werden von den Unternehmen komplett finanziert. Die Inbetriebnahme der Leitung ist für Herbst 2011 geplant.
Schätze aus dem Leitungsgraben
ist eine Ausstellung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg Vorpommern, Abteilung Archäologie und Denkmalpflege
mit Unterstützung der WINGAS und der OPAL NEL TRANSPORT GmbH, Kassel,
die vom 19. November 2009 bis 28. Februar 2010
im Museum im Steintor, Schulstraße 1, 17389 Anklam, gezeigt wird.
Die Öffnungszeiten des Museums sind:
Mittwoch bis Freitag 11.00 – 15.30 Uhr
Sonntag 13.00 – 15.30 Uhr
Montag und Dienstag geschlossen
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