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16.02.2010
Opal-Erdgastrasse wächst - Naturschutzgebiet wird untertunnelt
Die Opal Nel Transport GmbH, Tochterunternehmen des künftigen Pipeline-Betreibers WINGAS lässt derzeit von einer Spezialfirma einen 1200 Meter langen sogenannten Mikrotunnel unter dem Peenetal vorantreiben.
Stolpe/Lubmin (dpa/mv) - Der wochenlange Dauerfrost hat einen dicken Eispanzer auf die Peene gelegt. In Anklam (Ostvorpommern) sitzen ein paar unverzagte Angler mitten auf dem Fluss. Sie haben Löcher ins Eis gehackt und lassen ihre Angelschnüre in die Tiefe gleiten. Nur wenige hundert Meter flussaufwärts haben sich ein paar Dutzend Graureiher versammelt. Winterindylle an der Peene, einem der letzten unverbauten Flüsse in Mitteleuropa.
Ein ganz anderes Bild nur wenige Kilometer landeinwärts nahe dem Dorf Stolpe. Hier wird die OPAL-Erdgas-Leitung, die von Lubmin am Greifswalder Bodden bis zum sächsischen Olbernhau an der tschechischen Grenze führt, den Fluss queren. Durch die 470 Kilometer lange Pipeline soll russisches Erdgas, das von Ende 2011 an über die Ostsee-Trasse Nordstream geliefert wird, in das westeuropäische Energienetz gelangen. Rund eine Milliarde Euro kostet der Bau der Anschluss-Leitung, durch die pro Jahr 36 Milliarden Kubikmeter Erdgas transportiert werden sollen.
Die Querung eines Flusses gilt schon gemeinhin als technisch anspruchsvoll. Doch da das Peenetal als Naturraum besonders geschützt ist, müssen Ingenieure und Bauleute besonderen Aufwand betreiben. Die sichtbaren Eingriffe in die Landschaft sollen so gering wie möglich bleiben. Die Gasrohre werde nicht in einem Graben quer zum Flussbett versenkt. Die Opal Nel Transport GmbH, Tochterunternehmen des künftigen Pipeline-Betreibers WINGAS (Kassel) lässt dafür von einer Spezialfirma einen 1200 Meter langen sogenannten Mikrotunnel unter dem Peenetal vorantreiben.
Zehn Meter tief ist die Startgrube für das Bauwerk. Von hier aus werden Betonrohre mit einem Innendurchmesser von 2,4 Metern Stück für Stück hydraulisch in Richtung Zielgrube gepresst. Ein Bohrer lockert zuvor das Erdreich mit einem rotierenden Schneidrad. Das lose Gestein wird mit Wasser herausgespült, an die Oberfläche gebracht und in einiger Entfernung deponiert.
«Zur Zeit müssen wir durch eine Mergelschicht bohren. Da kommt man pro Minute weniger als zehn Millimeter voran», erläutert Bauleiter Michael Nestler von der Firma Pfeiffer. Bei lockeren Böden würden die Spezialisten ein 15 mal höheres Tempo schaffen, laut Nestler auch mal gut 20 Meter in 24 Stunden. Gesteuert wird die Maschine von einem Computer-Arbeitsplatz aus.
Bohrungen werden genau verfolgt
Über Kameras und mit Theodoliten kann von der Erdoberfläche aus genau verfolgt werden, wie der Bohrer entlang der genau vermessenen und durch Probebohrungen untersuchten Strecke vorankommt. «Nur wenn wirklich einmal das Schneidwerkzeug im Bohrer gewechselt werden muss, müssten Arbeiter bis zum Bohrkopf gehen, der hinter einer Druckschleuse ähnlich wie in einem U-Boot angebracht ist», erzählt Nestler. Doch dies komme nur vor, wenn man entgegen den Erkundungsergebnissen auf besonders hartes Gestein, wie etwa auf einen Granitfindling, stoße.
Rund 240 Meter ist der Tunnel bereits lang. Damit ist er nach Angaben von Nestler schon unter dem Fluss hindurch. Noch knapp 1000 Meter sind es bis zur Zielgrube. Dort werden später die Rohre aus Spezialstahl zusammengeschweißt und auf Druckfestigkeit geprüft. Erst dann wird der vorgefertigte Pipeline-Abschnitt komplett mit einer Zugeinrichtung in den Tunnel gebracht. 100 Jahre soll das Bauwerk halten, wie einer der Bauarbeiter sagt.
Es sei wichtig, dass gerade bei einem derartig großen Bauvorhaben von Anfang an auch auf Naturschutzbelange eingegangen werde, betont Wingas-Sprecherin Antje Knollmann. Die Untertunnelung der Peene, ein sehr «kostenintensives Bauwerk», sei vor dem Baustart für die OPAL-Leitung mit den Naturschutzverbänden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens vereinbart worden, erläutert Knollmann. Auch für die Unterquerung des Lubminer Hafens werde ein ähnlicher Aufwand betrieben. Dort soll an diesem Donnerstag mit dem Bau der Übernahmestation begonnen werden. In Lubmin landet die gut 1230 Kilometer lange Ostee-Gas-Pipeline an. Das Gas soll dann über zwei Landleitungen nach Süden und Westen weiter transportiert werden.
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