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25.03.2010
Bauern, Töpfer, Schmiede – 6000 Jahre Geschichte ans Licht geholt

Ausstellung „Schätze aus dem Leitungsgraben“ zeigt Ausgrabungsfunde entlang der OPAL-Trasse.

Pasewalk, 25. März 2010. Die Spuren unserer Vorfahren liegen häufig direkt unter unseren Füßen. Dies zeigt sich auch beim Bau der Erdgasleitung OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung), bei dem die Archäologen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern einen intensiven Blick unter die Erdoberfläche werfen konnten: Seit September 2007 untersuchen die Mitarbeiter die rund 100 Kilometer der geplanten Trasse in Mecklenburg-Vorpommern nach Bodendenkmalen. Ergebnisse dieser Arbeit werden jetzt im Museum der Stadt Pasewalk der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ausstellung „Schätze aus dem Leitungsgraben“ zeigt einige der geborgenen Funde und veranschaulicht den Besuchern darüber hinaus mit Informationstafeln und Fotografien das aktuelle Grabungsgeschehen, aber auch das Leben in früheren Zeiten. Die ältesten Funde gehen dabei auf den Beginn der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur (um 4000 v. Chr.) zurück, die jüngsten zeugen vom Alltag der Menschen im Mittelalter und in der Neuzeit.

Ein Höhepunkt der Ausstellung ist der bei Anklam gefundene Hacksilberschatz aus dem frühen 9. Jahrhundert – die gut erhaltenen, überwiegend in Nordafrika geprägten Münzen besitzen an den Rändern markante Einschnitte. „Oft sind es gerade die kleinen Details, die uns interessante Einblicke in das Leben unserer Vorfahren vermitteln“, erklärt Dr. Jens-Peter Schmidt, verantwortlicher Archäologe beim Schweriner Landesamt. „Diese Einschnitte beispielsweise, so genannte Probiermarken, entstanden bei Prüfung der Münzen auf ihre Echtheit. Offenbar waren zur damaligen Zeit so viele Fälschungen im Umlauf, dass die Stücke – zur eigenen Sicherheit - immer wieder geprüft werden mussten.“ An einer anderen Fundstelle, bei Zarnekow, waren es 700 Kilogramm Verhüttungsschlacke – ein Abfallprodukt der Eisengewinnung – und die Standorte von circa 100 Rennfeueröfen, die von Interesse waren. „Dadurch konnten wir zum ersten Mal in Vorpommern ein regelrechtes ‚Industrieareal‘ zur Eisengewinnung aus der älteren römischen Kaiserzeit – Christi Geburt bis 150 n. Chr. – nachweisen“, freut sich der Experte. „Derartige Anlagen kannte man bisher nur aus der jüngeren römischen Kaiserzeit, also 150 n. Chr. bis 375 n. Chr.“, fügt Schmidt hinzu.

Insgesamt 53 Trassenabschnitte haben die Archäologen des Schweriner Landesamtes im Vorfeld der Bauarbeiten ausgegraben. Seit dem Baubeginn sind 100 weitere Fundstellen hinzu gekommen. Um die Funde auch während der Bauphase bergen zu können, arbeiten Baufirma und Landesamt eng zusammen. Auf den Baufortschritt haben die archäologischen Untersuchungen somit keine Auswirkung: „Die Abstimmung mit der Baufirma funktioniert ohne Probleme“, so Schmidt zufrieden. So konnte ein über 2000 Jahre altes und besonders gut erhaltenes Urnengräberfeld in Steinfurth bei Karlsburg entdeckt und geborgen werden. Aktuell untersuchen die Archäologen den Inhalt der Graburnen. „Sie enthielten nicht nur Leichenbrand, sondern auch Grabbeigaben wie Schmucknadeln oder Teile von Fibeln“, berichtet Schmidt. „Beide gehörten vor über 2000 Jahren zum Trachtschmuck und dienten dazu, die Gewänder zu schließen.“ 

Mit einer Kapazität von 36 Milliarden Kubikmeter Erdgas ist die rund 470 Kilometer lange Erdgasleitung OPAL eines der größten deutschen Energie-Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre. Die Pipeline soll die durch die Ostsee führende Erdgasleitung Nord Stream mit dem europäischen Erdgasleitungssystem verbinden und führt von Lubmin bei Greifswald durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis in die Tschechische Republik. In Mecklenburg-Vorpommern durchquert die OPAL die Landkreise Ostvorpommern und Uecker-Randow auf gut 100 Kilometern. Die Pipeline wird von WINGAS im Auftrag der OPAL NEL TRANSPORT GmbH und der E.ON Ruhrgas AG gebaut; die archäologischen Untersuchungen werden von den Unternehmen komplett finanziert. Die Inbetriebnahme der Leitung ist für Herbst 2011 geplant.

Schätze aus dem Leitungsgraben

ist eine Ausstellung des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg Vorpommern, Abteilung Archäologie und Denkmalpflege mit Unterstützung der WINGAS und der OPAL NEL TRANSPORT GmbH, Kassel, die vom 25. März 2010 bis 30. Juni 2010 im Museum der Stadt Pasewalk, Prenzlauer Straße 23a, 17309 Pasewalk, gezeigt wird.

Die Öffnungszeiten des Museums sind:
Montag   geschlossen
Dienstag bis Freitag  10:00 Uhr bis 13:00 Uhr und  14:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Samstag  14:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Sonntag  (Mai bis September)  14:00 Uhr bis 16:00 Uhr



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