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13.04.2010
Bau der Ostsee-Pipeline startet in Deutschland
Jetzt beginnen auch in Deutschland die Arbeiten für die 1220 Kilometer lange, 7,5 Milliarden Euro teure Erdgasstrasse.
Lubmin (dpa/mv) - Vor Schwedens Küste sind die ersten zehn Kilometer der Erdgaspipeline auf dem Meeresgrund der Ostsee verlegt. Russlands Staatschef Dimitri Medwedjew verkündete am vergangenen Freitag im russischen Wyborg den Startschuss für den Bau - jetzt beginnen in Deutschland die Arbeiten für die 1220 Kilometer lange, 7,5 Milliarden Euro teure Erdgasstrasse. Von diesem Donnerstag an tragen Bagger im Auftrag des Bau- und Betreiberkonsortiums Nord Stream den Mutterboden am Anlandepunkt Lubmin ab. Etwa 300 Meter vom Ufer entfernt wird die Gasleitung an die Anschlusstrasse OPAL des Energiekonzerns Wingas angebunden, an der bereits seit Mitte Februar gebaut wird. Bevor das russische Erdgas über die Festlandleitungen in das westeuropäische Netz weitergeleitet wird, wird es in der Lubminer Anlandestation gefiltert, auf eine Temperatur von zwei Grad Celsius vorgewärmt und auf einen Druck von 100 Bar gebracht.
In den nächsten Wochen werden Bautrupps in Lubmin Spundwände setzen und Rohrfundamente gießen, auf denen die Pipeline dann verankert werden soll. Zu den Arbeiten gehört auch der Bau einer «Molchschleuse», wie Nord Stream-Projektleiter Jens Lange berichtet. Während des Pipelinebetriebes von voraussichtlich 2011 an werden die als «intelligente Molche» bezeichneten Messgeräte die lange Röhre von Russland nach Deutschland von innen auf mögliche Schäden, Korrosion oder Veränderung der Wandstärke inspizieren. Die Geräte, die mit dem Gasstrom durch die gesamte Trasse «wandern», werden in Russland ein- und in Lubmin ausgeschleust, wie der Projektchef erklärt.
Das Bauvorhaben gilt als technisch anspruchsvoll: Auf einer Gesamtlänge von 47 Kilometern will Nord Stream die Pipeline im Meeresboden versenken. Bereits Ende Juni soll das Verlegungsschiff «Castoro 10» den Greifswalder Bodden ansteuern, pro Tag kann das Schiff dann bis zu 500 Meter Pipeline in dem zuvor ausgehobenen Unterwassergraben verlegen. Die Arbeiten in diesem ökologisch sensiblen Bereich sollen im Dezember 2010 vor Beginn der neuen Heringslaichzeit abgeschlossen sein. Ein Jahr später - so die Nord Stream-Pläne - soll das erste Gas durch die Pipeline nach Lubmin fließen. Das Erdgas ist bereits durch Lieferverträge mit westeuropäischen Energiekonzernen wie EON Ruhrgas, Wingas, der niederländischen Gasunie oder dem dänischen Energieriesen Dong Energy gebunden.
Pipeline sorgt für Aufschwung
In der Region Vorpommern hat die Pipeline bereits jetzt für einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt. Wie nachhaltig dieser ist, lässt sich noch nicht absehen. Allein die Verschiffung der Rohre habe dem Fährhafen Sassnitz im Jahr 2009 einen Umschlag von 303 000 Tonnen gebracht, sagte eine Hafensprecherin. Rund 150 Arbeitskräfte haben bis Ende 2011 eine Beschäftigung im Betonummantelungswerk des französischen Rohrspezialisten Eupec in Sassnitz gefunden. Bis dahin sollen 126 000 Pipeline-Rohre mit einem bis zu elf Zentimeter dicken Betonmantel versehen werden. Wie ein Unternehmenssprecher sagte, plant Eupec, den Standort im Rahmen von Folgeaufträgen weiter zu betreiben. In der Lubminer Anlandestation selbst entstehen drei bis fünf Dauerarbeitsplätze. Durch die Pipeline ist der Industriestandort Lubmin international ein Aushängeschild der Region geworden. «Die Erdgastrasse stärkt Lubmin als Gewerbe- und Energiestandort und ist auch für Greifswald strategisch bedeutsam», sagt Greifswalds Oberbürgermeister Arthur König (CDU).
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